Manju Kapur: Schwierige Töchter/Difficult Daughters

 

Rezension Yangla Press

 

Manju Kapur wurde 1948 in Amritsar geboren und schrieb 5 Bücher, wovon nur eines auf deutsch übersetzt wurde, nämlich die „Schwierigen Töchter“.

 

Virmati, die Hauptperson, wird als erstes Kind und somit älteste Tochter in Amritsar vor der Teilung Indiens geboren. Ihre Mutter ist Kasturi, die 11 Kinder bekommt. Aufgeschrieben wurde die Geschichte von Ida, der Tochter von Virmati. Von Kasturi und Ida erfährt man nicht sehr viel. Die großen Themen, die sich durch das Buch ziehen, ist Bildung und Ehe für Frauen – in Indien ein kontroverses Thema. Einerseits ist man stolz auf gebildete Töchter, andererseits befürchtet man das eigenständige Denken und befürchtet Eigensinnigkeit und Widerspruch gegen Eltern und Gesellschaft.

 

Die Familie von Virmati lebt auf einem großen Grundstück mit neu gebautem Haus. Das hat die Familienkasse strapaziert und man vermietet einige Räume an einen jungen Professor, seiner Frau, seiner Mutter, seiner Schwester und einem Baby. Die Ehe ist arrangiert (die Frau war 12 Jahre alt bei der Eheschließung) und der Professor, Harish, ist nicht glücklich mit seiner ungebildeten Frau, die sich nur für Haus und Küche interessiert und die ihm nicht als Gefährtin reicht. Virmati dagegen ist wißbegierig und freut sich riesig, mit nur drei anderen Mädchen ans College zu gehen. Der Professor ist ihr Lehrer dort.

 

Virmati ist bereits einem Kanalbauingenieur versprochen und mit ihm verlobt. Und dann geschieht das, was nicht geschehen sollte: Virmati und der Professor (er wird auch im Buch überwiegend als Professor tituliert anstatt mit seinem Namen) verlieben sich. Das geht natürlich gar nicht und das Leben von Beiden verkompliziert sich. Zusätzlich wird auch Pakistan abgeteilt (Virmati studiert eine zeitlang im neu-pakistanischen Lahore). Die Nation aber auch die unausgesprochenen gesellschaftlichen Regeln des Zusammenlebens sind im Umbruch. 

 

Manju Kapur beschreibt diese Zeit sehr anschaulich, die Zerrissenheit von Virmati und dem Professor zwischen ihrer Liebe und ihren familiären Verpflichtungen und Erwartungen. Mir gefällt ihre leichtfüssige und spannende Schreibe, das Thema finde ich super – und doch stellt sich bei mir keine Begeisterung ein. Ich empfinde den Professor als ziemlich unsympathisch – das macht es schwer, sich für Virmati und ihre Liebesgeschichte zu erwärmen. Leider kenne ich keine InderInnen, die dieses Buch lasen – mich würde ungemein interessieren, wie der Professor auf sie wirkt. Auch erfährt man viel zu wenig von Kasturi und Ida – entweder hätte das Buch sehr viel dicker werden können – oder es gäbe mehr Platz für Virmatis Geschichte oder die Lebensrealitäten ihrer Zeit.

 

Nichtsdestotrotz empfehle ich die Lektüre, um ein besseres Verständnis für die jüngere Frauengeschichte Indiens zu bekommen. Die Lebensenge ist beklemmend und faszinierend zu sehen, wie sich auch andere Frauen in diesem Buch darin einrichten – oder eben aufbegehren. Bildung wird als Ausbruchsform gesehen – allerdings bleibt offen, ob es allein die Tatsache an sich ist, dass Frauen lernen und studieren oder wie es mit den Inhalten und der Wissenserweiterung zusammen hängt. 

 

Definitiv nährt dieses Buch meinen Hunger nach mehr Wissen, Erkenntnissen, Geschichten über die historisch gewachsenen Lebensrealitäten indischer Frauen.

 

 

Rezension Yangla Press

 

 

 

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