Ulli Olvedi: Zanskar und ein Leben mehr

 

Ulli Olvedi: Zanskar und ein Leben mehr

 

Ulli Olvedis Romane beinhalten für mich immer 3 Aspekte – ausnahmslos geltend für alle Bücher, die ich von ihr kenne (nicht alle, aber so einige). Hier schreibe ich über das, welches zu einem Teil in einer Region spielt, die ich recht gut kenne: Zanskar.

 

Aspekt 1: Was mich immer nervt ist diese oft auftauchende blumige dramatisch-bedeutsame Sprache. Ein Beispiel: „Er hat getan als wäre alles gut, während die Flut stieg, über unsere Füße und weiter stieg, uns langsam aufsaugte, von Stunde zu Stunde. In mir schwelte Ärger, als sei er Schuld an dieser Naturgewalt von Enttäuschung“

 

Aspekt 2: Wenn es um Beschreibungen der Kultur und Gegend geht, bin ich dagegen positiv überrascht. In jedem Buch gibt es diese Lokalkolorit-Thematik, die für mich stimmig ist mit dem, was ich erlebte oder erfuhr. In diesem Buch ist es hauptsächlich die Beschreibung der Situation der zanskarischen Nonnen, die zumindest für eine westlich aufgewachsene Person himmelschreiend frauenverachtend ist. Der größte Wunsch einer Nonne ist es, als Mann wiedergeboren zu werden, da man nur dann die Erleuchtung erlangen kann. Dass die Protagonistin mit modernem westlichen Gedankengut aufwuchs, spiegelt sich sehr schön die Begegnung beider Denkweisen.

 

Aspekt 3: Es geht immer wieder um die Anhäufung von Karma – entweder in vergangenen Leben, welches im jetzigen seine Auswirkungen zeigt oder im jetzigen Leben um sich besser für das zukünftige Leben zu rüsten. Das ist eine sehr vereinfachte Sichtweise des karmischen Prinzips, wird aber fast allem Handeln und Denken zugrunde gelegt. Hier bin ich zwiespältig: Ich mag die Vereinfachung nicht, sehe aber, dass tatsächlich genauso bei Laien und nicht-studierten Mönchen/Nonnen die Geschehnisse im Leben interpretiert werden. Somit gibt Ulli Olvedi die Geisteshaltung korrekt wieder – aber reduziert damit die Leute auf eine zu einfache Gedankenwelt. 

 

Ja, es ist ein Roman, der westlichen Menschen buddhistische Gedankenwelt und Lebensweise von Leuten aus dem tibetisch-buddhistischen Kulturkreis nahebringen möchte. Und der mit so Einfachheiten vielleicht auch mehr LeserInnen erreicht. Aber gelänge das nicht vielleicht doch auch auf einer etwas differenzierteren Stufe? Ich würde es mir wünschen.

 

Ulli Olvedi: Zanskar und ein Leben mehr

 

 

Zurück zur Rezensionsübersicht