William Dalrymple: Neun Leben

Rezension Yangla: Neun Leben/William Dalrymple

 

Neun Lebensläufe basierend auf ihrem Verhältnis zur Religion. Neun individuelle Lebensentwürfe verwoben in die Geschichte ihrer jeweiligen Glaubensrichtung. Neun Begegnungen mit verschiedenen spirituellen Aspekten im Kontext der sie umgebenden Welt, von denen William Dalrymple in seinem 2009 erschienen Buch schreibt.

 

Kann ein solcher Inhalt etwas über Politik erzählen?

 

Einerseits ist Religion „out“, ist abgelöst durch moderne Lebensanschauungen, andererseits schürt sie Leidenschaft und sorgt gerade im politischen Leben weltweit für Abgrenzung und Krieg. Religion bestimmt das gesellschaftlich-politische aber auch das individuelle Leben von vielen Menschen in dieser Welt. Indien, mit Riesenschritten in die Moderne eilend, hat einen großen Rucksack dabei auf dem Rücken zu tragen. Ein Rucksack bis zum Rand vollgestopft mit dem religiösen-spirituellem Erbe aus Jahrtausenden. Nährt sich Indien aus diesem Rucksack? Oder hindert er es am Voranschreiten?

 

William Dalrymple gibt keine Antworten auf diese Fragen, er lässt die Lebensgeschichten für sich sprechen: die der Jain-Nonne, deren beste Freundin sich zu Tode hungerte, des buddhistischen Mönches aus Tibet, der Chinesen getötet hat und jetzt Gebetsfahnen druckt, des Geschichtensingers aus Rajasthan, der sich um die Fortführung dieser Tradition sorgt, der Devadasis, den religiösen Huren, der Totenschädelsammlerin in Tarapith und der anderen.

 

Der Autor zeigt die Personen nicht nur im individuellen, vielleicht sogar beispielhaften Dasein, sondern stellvertretend für die Historie der jeweiligen Aspekte im überwiegend hinduistischen Glauben und dafür, dass diese nie für sich allein stehen, sondern immer in der ihn umgebenden religiösen oder säkularen Welt bestehen müssen.

 

Ich kaufte die englische Ausgabe von „Nine Lives“ in Pushkar und es wurde mir ein augenöffnender Begleiter bei meiner Erkundungsreise durch Rajasthan. Auch nach vielen Jahren in Indien finde ich es immer noch erstaunlich, dass es bei den Festtagen oder den Götterbitten bei Hochzeiten etc. meistens in erster Linie um Wohlstand geht und erst in zweiter um Gesundheit, Glück, Spiritualität. Diese Form der Weltlichkeit kommt ständig in den Ritualen vor. Und wenn man zu Geld kommt, dann heißt es, dass man gutes Karma aus dem vorigen Leben jetzt erntet.

Dalrymples Buch brachte mir Aspekte näher, die ich vorher eher oberflächlich gestreift hatte, erzählte mir leichtfüßig von Zusammenhängen, die mich einiges begreifen ließen und machte mich neugierig auf eigene Entdeckungen.

 

Rezension Dalrymple Nine Lives

 

 

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